„Pfungstädter Knopf“ an Friedhelm Kändler

Kleintheater KIKK vergibt erstmals dotierten Kulturpreis

 

 

 

Seit zehn Jahren bietet „Hessens verwegenste Bühne“ in Pfungstadt, das KIKK, erstklassige Kost zwischen Literatur, Cabaret, Musik und Theater. Große Namen waren schon in dem kleinen Theater zu Gast: Susanne Betancor war da, Wiglaf Droste gehört scheinbar zur Familie, sogar die Tiger Lillies aus London gastierten schon im KIKK, bevor sie dann begannen, zwischen Moskau, New York und London zu touren.

Aber eigentlich ist das KIKK ja ein eher literarischer Verein. Benannt nach einer Figur des Amberger-Frankfurter Literaten Eckhard Henscheid, nämlich Frau Irene Knopf. Auch Henscheid war schon da, wie F.W. Bernstein, Eugen Egner oder Robert Gernhardt.

„Grenzgängerei“ dürfte der treffende Ausdruck sein, das KIKK inhaltlich zu umreisen. Alte bekannte Größen fehlen nicht nur in der KIKK-Legende, sie hatten schlicht nie eine Chance, einen der relativ wenigen Auftrittstermine zu ergattern. Dafür gab es und gibt es immer wieder Spannendes und Neues in intimen Rahmen zu entdecken.

Friedhelm Kändler, Literat, Poet und „Sprachverwirbler“ aus Hannover dürfte ein Musterbeispiel für die Arbeitsweise der südhessischen Bühne sein. Literarisch eigentlich längst durchgesetzt, aber im Süddeutschen Raum bisher leider noch weithin unbekannt, lies sich Kändler auf das Experiment KIKK und Südhessen ein. Man lernte sich kennen und schätzen, nach und nach wurden Kändlers Texte und Lieder von einer Vielzahl seiner Interpreten und Interpretinnen im Südhessischen Raum vorgetragen und heimisch.

Mittlerweile dürfte nicht nur Kändlers „Klein Gedicht“ beste Chancen haben, in den Schatz Südhessischer Zitate einzugehen. Die Vergabe des ersten KIKK-Preises an den Wowoetiker Kändler darf man wohl als Konsequenz eines liebe- und verdienstvollen Zusammenwirkens ansehen. Dass der KIKK ausdrücklich betont, dass er stolz ist, dass Friedhelm Kändler als Erster den „Pfungstädter Knopf“ annimmt, ergibt sich schon aus der unbestrittenen Fallhöhe zwischen literarischem Werk und kleiner Bühne. Aber wie dem KIKK zu Ohren kam, folgt ja demnächst wieder ein größerer Preis aus dem hohen Norden für Meister Kändler. Und ein kleiner „Pfungstädter Knopf“ nimmt ja nicht allzu viel Raum zwischen den Ehrungen, die Friedhelm Kändler als unbestrittener Meister zeitgenössischer Sprache wohl noch zu gegenwärtigen hat. (ifb)