Laudatio zum „Pfungstädter Knopf“ 2002

Preisträger: Friedhelm Kändler

 

 

„Klein Gedicht

 

Willst Du Liebe

Dann

Geh dicht“

 

Schwer ist die Aufgabe, etwas über einen Menschen in Worte zu fassen, der den Umgang mit Sprache, deren Einsatz und deren wechselnder Bedeutung in virtuos luftige Höhen geführt hat wie Friedhelm Kändler. Spielerisch scheint sein Umgang mit Sprache und Bedeutung, und, wie Sie heute hier erleben durften, spielerisch kommt es oft daher.

Friedhelm Kändler einen Preis –besser gesagt: ein Preischen- zu verleihen, ist deshalb nicht ohne Not und Pein für den Auszuzeichnenden als auch den Verleiher.

 

Denn:

 

Friedhelm Kändler, erster Preisträger des „Pfungstädter Knopf“, hat ja gerade kürzlich den Publikumspreis zum Saarländischen Kleinkunstpreis erhalten. Wer also sollte es wagen, ihm anschließend den neugeschaffenen „Pfungstädter Knopf“ anzutragen?

 

Einen Kleinkunstpreis können wir hier und heute also nicht vergeben. Zumindest nicht an Friedhelm Kändler. Da kämen wir schlicht zu spät...

 

Reden wir über den Literaten und Poeten Kändler: 

WoWo, die Frage nach der Antwort des DaDa - „Wo ist da? WoWo ist DaDa?“ beschreibt einen beachtlichen Teil der Arbeit des Literaten Kändler. Die drei bisher erschienen Hauptwerke „WoWo“, „WoZwo“ und „WoWo jagt Dr. Ey“ , alle verlegt beim Hausverlag „Revonnah“ Hannover, zählen zweifellos zur Avantgarde der zeitgenössischen deutschen Literatur. Wo anderswo „Bocksgesänge“ den deutschen Stammtisch aus literarischen Höhen zu fördern trachten und klarer Verstand zusehends wieder durch dunkles Raunen verdrängt wird, wirft die Lektüre dieser Bände unvermutet Licht in dunkle Ecken der Sprache und damit unseres geordneten Denkens und befördert so Erstaunen und Neugier, Wurzeln aller menschlichen Fähigkeit zu Erkenntnis und Weiterentwicklung.

 

Lesen wir seine Gedichte, entdecken wir nicht nur die Verwandtschaft zu Wilhelm Busch, Morgenstern, Jandl und Schwitters. Auch Robert Gernhardt und F.W. Bernstein scheinen nicht all zu fern zu sein.

 

Die neue Reihe Kändlerscher Märchenhefte, die uns unter dem Titel „Wildkind“ erfreut und erstaunt, mit Einklebebildern und integrierten Kreuzworträtseln, ist sowohl Bereicherung als auch hervorragende Persiflage des in Deutschland ein- und festgesessenen Literaturbetriebs.

 

Aber auch ein Literaturpreis wird ja hier und heute nicht vergeben. Das wäre schon zu sehr vermessen.

 

 Obwohl:

 

Angesichts zum Beispiel der Auswahl der Büchner-Preis-Träger, die dem literarisch interessierten Menschen hier in der Region mit unschöner Regelmäßigkeit zugemutet werden, angesichts eines immer wahllos um sich schlagenden, ja gerade zu krähenden Marcel R. ( der Name ist der Redaktion bekannt) birgt der Gedanke an einen eigenen Literaturpreis  durchaus eine gewisse Versuchung...

 

Aber nein! Um mit den Worten des Schöpfers der modernen Poesie, des Magisters Francois Villon zu reden:

„Lassen wir die Klöster steh’n, von bessren Sachen woll’n wir schwätzen...“

 

 

Der Mensch Kändler

 

Hier endlich können wir alle uns äußern, ohne uns in die unmittelbare Gefahr von Missverständlichkeiten oder gar Peinlichkeiten zu begeben.

 

Also: Stellen Sie sich vor: Ein Kleinsttheater irgendwo in Hessen wird von einer gewissen Frechheit gepackt und will das übliche Programm nicht angehen, das ihm nach Fug, Recht, Bedeutung , Größe und Gema eigentlich zustünde. Nein, das will es nicht.

 

Es setzt sich vorwitziger weise mit Meister Kändler in Verbindung, schildert offenherzig und herzerweichend alle Möglichkeiten, noch offenherziger, gar noch herzerweichender alle Unmöglichkeiten der Pfungstädter Kleinstbühne sowie deren Umgebung.

 

Kurz und sehr erstaunlich: Man lernt sich trotzdem kennen. Und schätzen. Was nicht ohne Folge bleibt.

 

Denn:

 

Friedhelm Kändler in eigener Person trat danach und bisher schon drei Mal im KIKK selbst und nun heute zum vierten Mal anlässlich der „1.Pfungstädter Maifestspiele“ in der Säulenhalle im historischen Rathaus in Pfungstadt auf!

 

Die Berliner Theatergruppe „Vanilla Gorgon“ feierte im Jahr 2000 die Premiere ihres brandneuen Stücks „Die verlorene Nacht“ nach Texten von Friedhelm Kändler in –man höre und staune- Pfungstadt.

 

Seine Texte wurden hier schon vorgetragen, gesungen, gespielt und in Szene gesetzt von:

Ingrid Bensch, Alix Dudel, Marianne Iser, Dorit Meyer, Alfons Kujat, Thomas Frank , Thomas Duda, Christian Moritz, Uli Schmid und Thomas Dust. Heute Abend erstmals in Pfungstadt zu sehen und zu hören war der vom KIKK hochverehrte Berliner Künstler Markus Jeroch.

 

Und nun, meine Damen und meine Herren, folgt eine Premiere ganz eigener Art, die uns aus ganzer Seele freut und die Liste der vortragenden Künstler aufs trefflichste ergänzt:

 

Petra Bassus, gottseidank nicht nur vom KIKK hochgeschätzte und gefragte Sängerin und Chansonette aus Darmstadt, trägt erstmals öffentlich ein Kändler-Lied vor.

 

Auf Drängeln eines einzelnen, dem KIKK wohlbekannten Herrn, besonders aber zu Ehren Friedhelm Kändlers jetzt live in der Säulenhalle, gesungen von Petra Bassus, am Piano Uli Schmid:

Das Kändler-Chanson: „Nummer Neun“ !

Frau Bassus, Herr Schmid, wenn ich bitten dürfte!

 

Break: CHANSON „NUMMER NEUN“

 

 

Bevor jetzt Friedhelm Kändler als erster Preisträger den Pfungstädter Knopf empfängt, möchte ich kurz mein vorheriges Thema zu Ende bringen. Was für ein Preis ist denn nun eigentlich der Pfungstädter Knopf?

 

Der KIKK äußert sich dazu kryptisch, wie es seine Art ist. Ich zitiere:

 

·                     Der Pfungstädter Knopf ist ein Kulturpreis. Um eventuelle Schublädchen mögen sich berufenere Geister Gedanken machen.

·                     Der Pfungstädter Knopf ist weiblich, wie seine Namensgeberin, Frau Irene Knopf.

·                     Die Vergabe des Preises unterliegt ausschließlich minoischem und lusitanischem Recht (also: Mutterrecht und Blutrache).

·                     Der Pfungstädter Knopf wird so jährlich wie möglich vergeben.

·                     PreisträgerInnen müssen Bedeutung im kulturellen Leben Pfungstadts erworben haben

und schließlich

·                     Den Preisträgern entstehen weder im Vorfeld noch im Nachhinein irgendwelche Verpflichtungen aus dem „Pfungstädter Knopf“.

 

Lieber Friedhelm Kändler!

 

„Die verlorene Nacht“ wurde mittlerweile ja auch schon in unserem Theater „Chapitol“ im Husrück gespielt. Wir hatten also die Gelegenheit, uns praktisch „vor Ort“ wie auch heute Abend hier von der Spannweite und der Qualität Deines Werkes zu überzeugen. Deshalb sind wir sicher, dass der KIKK sehr genau wusste, was er tat, als er Dich zum ersten Preisträger des „Pfungstädter Knopf“ erkor. Wir gratulieren Dir auch im Namen unseres Hauses sehr herzlich.

 

 

 

Hier übernimmt Peter

Friedhelm, wenn Du nun bitte auf die Bühne kommen könntest, um für Dich, Dein Werk und stellvertretend für alle Künstler, die Dein Werk so beindruckend in unserem Denken und Fühlen heimisch gemacht haben, den  ersten „Pfungstädter Knopf“ 2002 zu empfangen. Wir sind stolz, dass Du unseren kleinen Preis entgegen nehmen willst!

 

Überreicht wird der Pfungstädter Knopf von Dr. Maria Bauer-Edelmann, Vorsitzende des „Kommunalen Irene Knopf Klubs“ Pfungstadt, und Dr. Wolf Edelmann, Schatzmeister des KIKK, der für die mit dem Preis verbundene Summe von 750 Euro gerade stehen muss !

 

Break - Preisübergabe

 

Wie Du siehst, ist der Pfungstädter Knopf auch rein körperlich ein eher kleiner Preis. Aber wie Dein „Klein Gedicht“, das anfangs zitiert wurde, ist der Knopf sehr praktisch: da nicht sperrig, kann man sowohl Gedicht als auch Knopf immer bei sich tragen, auch wenn man einmal auf Wanderschaft gehen oder in Gefangenschaft geraten sollte.

 

Zugleich unterstreicht der Knopf auch die friedfertige Grundeinstellung des KIKK. Anders als zum Beispiel die „St. Ingberter Kleinkunstpfanne“, mit der einst Herr Pigor den Herrn Eichhorn von der Bühne scheuchte (natürlich war der Mann zwei Minuten später wieder da), eignet sich der „Pfungstädter Knopf“ kaum zur Bedrohung anderer. Klar, man könnte mit ihm werfen. Aber, Hand auf’s Herz: würde das nicht eher albern wirken?

 

Und nun, Friedhelm, noch eine Überraschung ganz speziell für Dich: Marianne Iser und Thomas Duda singen für Dich (wenn die anderen auch zuhören, macht das ja nichts) noch drei Deiner Lieder. Dir, Friedhelm, wünschen wir weiterhin ungebrochene Schaffenskraft und freuen uns schon jetzt auf neue Texte, Gedichte und Lieder aus Deiner Feder. Und an dieser Stelle nochmals vielen Dank für alles, was Du für das KIKK und für Pfungstadt getan hast!

 

So, Marianne und Thomas, Ihr Lieben, dürfte ich Euch jetzt bitten?

 

Break: Marianne und Thomas treten auf

 

 

(Ab jetzt wird improvisiert....)